Wenn wir von geschreinerten Möbeln reden, meinen wir individuell geplante und gefertigte Möbel, seien Sie mit einem Holzfurnier versehen oder aus massivem Holz angefertigt. Massivholz- oder Vollholzmöbel sind Möbel, die zu 100 % aus gewachsenem Holz bestehen.

Im Gegensatz zu furnierten Möbeln, bei denen die Holzoberfläche aus einem dünnen Edelholzfurnier besteht, das auf ein billigeres Blindholz aufgeleimt ist. Dies wäre nicht so schlimm, wenn dafür ebenfalls Massivholz verwendet werden würde. Doch im Zuge des Zwangs der Preisspirale nach unten wird auf Ersatzholzstoffe zurückgegriffen, meist Pressspanplatten. Diese bestehen aus fein gemahlenen, gepressten Holzfasern, was eine sehr glatte Oberfläche bewirkt, ideal zum Furnieren. Im Billigpreissektor, in dem sich der größte Teil des Angebots der Möbelhausketten bewegt, besteht dann auch das Furnier nicht mehr aus Holz, sondern aus mit einem Holzbild bedrucktem Plastik. Leider sehen aus solcherlei Materialien gefertigte Möbel nur gut aus. Der niedrige Preis muss mit Qualitätseinbußen bezahlt werden, da bei solchen Möbeln nach ein- oder zweimaligem Umziehen die nicht sehr präzise gearbeiteten Scharniereinpassungen bereits ausgeschlagen sein können und Türen nicht mehr richtig halten und zu wackeln anfangen.

Möbel vom Schreiner

Schreiner oder Tischler, wie der Beruf in Norddeutschland heißt, können sowohl Furniermöbel als auch Vollholzmöbel herstellen. Wobei sich ein furniertes Möbel vom Schreiner deutlich von einem solchen aus dem Möbelmarkt unterscheidet. Sowohl in der Verarbeitungsqualität als auch im Preis. Denn Qualität hat nun mal ihren Preis. Bei Vollholzmöbeln handelt es sich um die klassische Schreinerware.

Jahrhundertelang wurden Möbel ausschließlich so vom Schreiner hergestellt. Der Schreiner ist der Holzfachmann. Seine Arbeit beginnt bereits beim Einkauf des Holzes. Wird es im Stamm gekauft, wird es aufgespalten und mehrere Jahre zum Trocknen vor der Verarbeitung eingelagert. Frisches Holz kann nicht verarbeitet werden, da dann der Schrumpfungsprozess beim Trocknen im Möbel stattfinden und zwangsläufig zu Verziehungen und Zerstörung führen würde. Weitere Infos zu geschreinerten Möbeln gibt es hier.

Schreiner bei der Bearbeitung von Massivholz

Warum Massivholzmöbel?

Bereits bis hierher ist zu sehen, dass die Verarbeitung von Vollholz eine ganz andere Logistik und vorausschauende Herangehensweise erforderlich macht, und es entsteht eine erste Ahnung von der Wertigkeit eines Massivholzmöbels. Die aufwendige Vorbereitung ist notwendig, da Holz ein lebendiger Baustoff ist. Auch nachdem der Baum geschlagen wurde, bleiben bestimmte Holzeigenschaften erhalten, und zwar lebenslang. Beispielsweise die Fähigkeit von Holz, Feuchtigkeit aufzunehmen und auch wieder abzugeben. Oder der Wuchs des Holzes, der ein „Stehen“ erwarten lässt, also keine Veränderung durch Einflüsse von außen, oder eine Bewegung, was für den Möbelbau schlecht ist. Die Kenntnis um diese Eigenschaften des Holzes besitzt der Schreiner: Er kann das Holz „lesen“. Geschreinerte Möbel werden also immer aus vorher ausgesuchten Brettern hergestellt.

Arbeitsplatz mit Naturholzmöbeln

Der holztechnische Hintergrund ist der eine, für den Kunden unsichtbare Teil beim Bau von Vollholzmöbeln. Für ihn selbst sind andere Bedürfnisse maßgeblich. In erster Linie ist dies die individuell beeinflussbare Herstellung. Massivholzmöbel, auch aus dem Möbelhaus, sind immer Unikate, da jedes verwendete Brett, auch von der gleichen Baumart, ein anderes Holzbild zeigt. Maßanfertigungen besitzen nur Sie. Im individuellen Möbelbau werden in der Regel Harthölzer verwendet. Dies hat eine im Gegensatz zu Kiefer und Fichte, den klassischen Weichhölzern, robuste Haltbarkeit zur Folge. Hartholzmöbel, noch dazu in Schreinereien gefertigt, sind praktisch unverwüstlich und überdauern Generationen. Sie verzeihen auch den einen oder anderen rauen Knuff in der Benutzung, ohne Spuren zu zeigen.

Kleine Holzkunde

Bei Naturholz ergibt der Wuchs immer ein ganz einzigartiges Holzbild, ähnlich einem Fingerabdruck. Der Kunde kann sich zwischen Holz ohne Maserung, mit leichter Maserung oder stark gemasert entscheiden, je nachdem, über welches Holz der Schreiner verfügt oder beibringen kann.

Birke oder Ahorn besitzen praktisch keine Maserung und bilden in der Naturfarbe eine helle, homogene Oberfläche. Die Platten der Wirtshaustische bestanden früher alle aus Ahornholz ohne Oberflächenbehandlung. So konnten sie ganz schnell mittels feinem Scheuersand gereinigt werden und leuchteten immer wie gerade neu angefertigt. Esche ist ebenso hell wie Birke oder Ahorn, aber mit einer leichten Maserung versehen, wodurch das Holz fein strukturiert wird.

Buche und Eiche liefern ein Holz ohne markante Maserung, aber mit dunkleren Einsprengseln. Verwachsungen bei der Eiche mit Astlöchern und Unregelmäßigkeiten werden momentan gerne für Massivholzmöbel unter dem Namen „Wildeiche“ verwendet. Das Besondere ist bei diesen beiden Hölzern die unterschiedlichen Farbtöne innerhalb des gleichen Stammes. Bei der Buche reicht die Palette von hell, fast weiß, bis zu kräftigem Rotbraun. Die Eiche ist insgesamt dunkler und von hellem Splintbereich über Gelbbrauntöne bis zu dunkelbraunem Kernholz gefärbt. Bei Nussbaum und Kirsche ist das Farbspiel noch kontrastreicher, wobei sich der Nussbaum im Bereich der kräftigen Brauntöne bewegt und die Kirsche, wie ihre Früchte, ein rötliches Holz besitzt. Bei den Harthölzern, die für Massivholzmöbel Verwendung finden, ersetzt oft eine dynamische Farbmaserung die Maserung mit Jahresringen der Weichhölzer.

Die Planbarkeit von geschreinerten Möbeln

Neben den unzweifelhaft hohen qualitativen Eigenschafen von Vollholz ist das stärkste Motiv für die Anfertigung eines Massivholzmöbels die Möglichkeit zur völlig individuellen Festlegung von Aufbau und Abmessung eines solchen Möbelstücks. Geschreinerte Möbel herzustellen bedeutet nicht, dass nun ein Innenarchitekt beauftragt werden muss zur Erstellung einer Planung.

Überall dort, wo besondere Raumbedingungen das Stellen von fertigen Möbeln nur schwer möglich oder gar unmöglich machen, beispielsweise bei Dachschrägen oder „aufgelösten“ Grundrissen, wie in der Architektur momentan üblich, ist die Einschaltung von Schreinereien die beste Wahl. Der Möbelfachmann, der ja das Möbelstück selbst produziert, weiß am besten Bescheid über die Holzwirkung für den jeweiligen Standplatz und ermittelt im Gespräch mit dem Kunden die Anforderungen, welche das jeweilige Möbelstück erfüllen soll. Dabei berücksichtigt er selbstverständlich auch die Transportfähigkeit des Möbels, also den leichten Auf- und Abbau.

Holzbett mit Schubladen

Es lohnt sich also, vor dem Gespräch mit dem Schreiner umfassende Inspiration in Möbelhäusern oder dem Internet zu suchen, um über die eigenen Wünsche und Notwendigkeiten der Nutzung des zu bauenden Möbels möglichst viel Klarheit zu erlangen. Eigene Skizzen zum Grobaufbau sind ebenfalls hilfreich für den Schreiner, auch wenn sie nicht perfekt sind, da er es gewöhnt ist, Pläne zu lesen.

Die individuelle Beeinflussung für geschreinerte Möbel geht bis ins kleinste Detail, wie die Form an sich, das Material der Beschläge oder die Oberflächenbehandlung des Holzes von lackiert über geölt bis hin zu gewachst oder roh.

Badmöbel aus Massivholz

Übrigens können auch Badmöbel als Vollholzmöbel angefertigt werden. Dies klingt wie ein Widerspruch, da Möbel im Wohnbereich aufgrund der dort oftmals gewählten offenporigen Oberflächenbehandlung mit Wachs oder Öl eigentlich nicht mit Wasser in Verbindung kommen sollen. Im Bad werden ja wegen der Nässe wasserfeste Materialien eingesetzt wie Fliesen, Glas, Metall und Plastik. Badmöbel werden wegen der Feuchtigkeitsproblematik daher gerne mit Plastikoberfläche gekauft. Jedoch wird bei der Beschränkung auf das Übliche ein Raum des Hauses oder der Wohnung von individuell durchführbarer Gestaltung ausgenommen und damit die Möglichkeit, auch durch Badmöbel in Holz diesem Raum wohnliche Atmosphäre zu verleihen.

Holzmöbel im Bad

Bäder sind oftmals die Stiefkinder bei Hausplanungen und werden allein durch ihre geringe Größe zu Nutzräumen degradiert. Doch Badezimmer erfüllen einen wichtigen Beitrag zum Wohlergehen der Bewohner. Durch Maßanfertigungen der Badmöbel können auch aus kleinen Bädern schöne Räume werden. Maßmöbel nutzen die kleinste Ecke und schaffen durch die Holzsichtigkeit ein wohnliches Klima. Um gegen Feuchtigkeitseinflüsse gewappnet zu sein, werden Badmöbel aus Holz mit einer Lackoberfläche versehen.

Was müssen Sie beachten?

Wenn Sie individuell angefertigte Massivholzmöbel zur Steigerung der Wohnqualität möchten, gilt es, einige Dinge zu beachten. Das wichtigste ist die Auswahl des Schreiners. Nicht jede Schreinerei ist auch in der Lage, Vollholzmöbel herzustellen. Viele Betriebe haben sich aufgrund des geschwundenen Bedarfs für geschreinerte Möbel inzwischen auf die Herstellung oder den Einbau von Fenstern, Türen und Treppen spezialisiert und betätigen sich hauptsächlich als Bauschreinereien. Solche Schreinereien sind ungeeignet für die Verwirklichung Ihrer Wohnträume.

Oft bringt die Suche im Internet unter dem Stichwort „Massivholzmöbel“ oder „Maßmöbel“ schon Ergebnisse in Ihrer Region. Werden Sie nicht fündig, lohnt es sich, einmal ein paar Schreinereien selbst zu besuchen. Wählen Sie die größeren, denn besteht eher Aussicht, dass auch Möbelbau betrieben wird und das nötige Know-how vorhanden ist, um Maßmöbel oder auch Vollholzmöbel herzustellen. Betreten Sie bei einem Besuch der Schreinereien nicht zuerst das Büro, sondern die Werkstatt und schauen Sie sich um, dann sehen Sie mit einem Blick, ob sich dieser Betrieb auch mit Möbelbau befasst und ob dort auch Vollholz zum Einsatz kommt. Oder bitten Sie den Chef/die Chefin nach dem Gespräch, Ihnen einen Blick in die Werkstatt zu erlauben. Meist erhalten Sie eine kleine Führung.

Schreiner baut einen Stuhl

Lassen Sie sich vom Chef/der Chefin Referenzen für bereits geschreinerte Möbel aus massivem Holz, Maßanfertigungen oder Einrichtungen zeigen. Größere Schreinereien betreiben auch eine Dokumentation ihrer Produktion oder können Ihnen sofort in der Werkstatt entsprechende Beispiele vorführen. Fragen Sie nach der Planungsleistung, also, ob Ihnen die Planung abgenommen werden kann. Skizzieren Sie Ihre Vorstellungen mündlich.

Ein guter Planer nimmt sofort Bleistift und Papier zur Hand und beginnt, Ihre Überlegungen räumlich umzusetzen. Oder Sie bringen Ihre Skizzen mit und reden darüber. Hat Ihr Erstgespräch einen positiven Eindruck hinterlassen, laden Sie den Schreiner zu sich nach Hause ein zur Erstellung einer genauen Planung. Das Ganze ist für Sie risikolos, denn bis einschließlich der Planungsphase entstehen Ihnen keine Kosten. Erst wenn Sie das Gefühl haben, dass der Schreiner in der Lage ist, Ihre Vorstellungen auch umzusetzen, erteilen Sie den Auftrag.

Verneint der besuchte Schreiner beim Erstgespräch, Ihnen in Ihrem Anliegen weiterhelfen zu können, so fragen Sie ihn, ob er andere Schreinereien nennen kann, die geschreinerte Möbel bauen können. Handwerker sind in der Regel sehr hilfsbereit.

Gibt es Alternativen?

Eigene Wünsche sind individuell. Die Ideen für geschreinerte Möbel zu verwirklichen, seien es Maßanfertigungen oder Naturholzmöbel, erfordert einen entsprechenden Zeiteinsatz. Als Alternativen wären Möbelhäuser zu nennen, die Vollholzmöbel im Programm führen. Solche Anbieter gibt es in allen Großstädten. Mitunter haben derlei Häuser auch eine eigene Planungsabteilung oder nutzen das Planungsprogramm eines Herstellers, um das Standardsortiment individualisieren zu können. Dies sind dann zwar noch keine Maßmöbel, kommen diesen aber nahe.

Gute Möbelhäuser bieten den Vorteil, dass sie in der Regel Beispiele für Vollholzmöbel in der Ausstellung vorrätig haben, sodass Sie einen Eindruck von Wirkung und Qualität eines solchen Möbels erhalten können. Schauen Sie sich die Beispiele gut an, insbesondere, ob die Böden bei Schubladen und die Rückwände bei Schränken zumindest aus Holzfurnier gefertigt sind. Oft wird in der Massenproduktion - und um die handelt es sich immer beim Sortiment von Möbelhäusern, auch im Bereich Massivholzmöbel – nur der Eindruck eines Vollholzmöbels erweckt durch Massivholz in den sichtbaren Bereichen, und in den nicht gleich sichtbaren findet sich doch Plastik mit aufgedrucktem Holzdekor.

Vorsicht auch bei der Bezeichnung „Echtholzmöbel“. Diese ist im Gegensatz zu „Massivholzmöbel“ nicht genau definiert. Bei „Echtholzmöbeln“ werden oft nur Furniere verwendet. Suggeriert wird mit diesem Wort aber Massivholz.

Vor- und Nachteile der Möbel vom Schreiner

Geschreinerte Möbel bieten den Vorteil individuell beeinflussbarer Gestaltungen. Schreinereien können die Möbel so anfertigen, dass jeder Millimeter „passt“. Ihnen als Kunde eröffnet sich ein weites Feld an Möglichkeiten zur Auswahl, was Holzart, Oberflächenbehandlung, Beschläge, Aufteilung, Proportionierung und Konstruktion betrifft. Schreinereien fertigen Maßmöbel an und beherrschen auch den Bau der Vollholzmöbel. In jedem Falle werden geschreinerte Möbel einen hohen Qualitätsanspruch besitzen, da hier die Anwendung von Handwerkskunst vor einer hauptsächlich maschinengebundenen Produktion von großen Stückzahlen rangiert.

Sorgfältig verarbeitete Furniermöbel und insbesondere Vollholzmöbel besitzen eine hohe Lebensdauer. Das massive Holz in Naturwuchs erzielt einen unnachahmlichen Gewinn für die Wohnatmosphäre.

Es gibt auch ein paar Nachteile. Geschreinerte Möbel brauchen für die Herstellung ihre Zeit. Das ist kein Vorgang von Auswählen und Einpacken wie im Möbelhaus. Wobei das bei Massivholzmöbeln dort auch nicht möglich ist, da oft nicht im ausreichenden Umfang vorrätig. Maßmöbel müssen auch im guten Möbelhaus vom Hersteller erst angefertigt werden, was auch einige Wochen dauert.

Vollholzmöbel erfordern materialbedingt einen achtsamen Umgang. Sie sollten nicht auf einer Fußbodenheizung, zu nahe an Wandheizkörpern und an zugigen Verandatüren zum Stehen kommen. Fußbodenheizung und zu nahe Heizkörper trocknen das Holz übermäßig stark aus, wodurch Risse fast zwangsläufig sind. Zugluft führt zu Verziehungen des Holzes und letztlich der Zerstörung eines Möbels. Die hygroskopischen Eigenschaften von Massivholzmöbeln ohne Lackoberfläche können Sie aber als Anzeiger nutzen, um Ihr Raumklima in Ordnung zu bringen.

Holz aus unseren Breiten ist an das Klima der hiesigen Natur angepasst, genau wie wir Menschen. Ihr Möbel braucht dieselbe Luftfeuchtigkeit wie Sie, um sich wohlzufühlen. Dieser Wert liegt bei 50-70% relativer Luftfeuchte. Zeigt das Holz also Schrumpfungserscheinungen, ist das Raumklima zu trocken, was in unseren zentralbeheizten Räumen leicht geschieht. Dann sollten Sie Abhilfe schaffen durch reichlich Pflanzen oder maschinelle Luftbefeuchter. Ihre Massivholzmöbel werden es Ihnen durch lange Lebensdauer danken – und Ihnen geht es auch gut.